Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

LVR-Archäologischer Park Xanten
LVR-RömerMuseum

Schiffbau schreitet voran

Fünf Schiffe hat das Team der Schiffbauer bislang im APX gebaut. Sie stehen an der Werft nahe dem LVR-RömerMuseum, in der aktuell die Arbeiten an einem weiteren Schiff fortlaufen - schauen Sie herein!

Kees Sars, Gabriele Schmidhuber und Heiko Werner (von links nach rechts)

Viele Hände - ein Werk

Die Arbeiten an der Quintus Tricensimanus, dem Nachbau einer spätrömischen Lusorie, sind mittlerweile abgeschlossen. Schnelle und wendige Ruderboote dieser Art fuhren Patrouille entlang der Flussgrenzen des römischen Imperiums, so auch bei Xanten. Mit fast 18 Metern Länge und 2,70 Meter Breite ist es eines der größeren Schiffe in der Flotte des APX.
Zuletzt wurden in der Holzwerkstatt 24 Schilde, die ursprünglich auf dem Bordwänden zum Schutz der Soldaten befestigt waren, rekonstruiert. Aktuell wird das Schiff mitsamt den farbenprächtig bemalten Schilden im Rahmen der archäologischen Landesausstellung „Roms fließende Grenzen" präsentiert.
Ein sechstes Schiff steht bereits kurz vor der Fertigstellung. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Pünte, ein kleines Arbeitsboot und Fährschiff nach einem Fund aus den Niederlanden (De Meern 6).

Zuvor war von 2016 bis 2017 die Minerva Tritonia in der Werft rekonstruiert worden, ein römischer Lastensegler aus dem späten 3. Jahrhundert. Ihr historisches Vorbild stammt aus Mainz. Mit 18 Metern Länge und fast vier Metern Breite übertrifft sie die zuvor im APX rekonstruierten Schiffe deutlich. Segelschiffe dieser Art waren vielseitig einsetzbar und dienten vorwiegend dem Transport von Soldaten und Ausrüstung. Die Minerva Tritonia wurde Anfang 2018 schwimmtüchtig kalfatert und hat im Sommer zweiwöchige Testfahrten auf der Xantener Südsee erfolgreich absolviert.

Das Segelschiff Minerva Tritonia auf einer Kiesfläche vor dem Römermuseum

Die Minerva Tritonia vor dem Transport zur Testfahrt - hier noch ohne Segel

In der Saison 2015 entstanden die Rekonstruktionen der beiden Einbäume Philemon und Baucis. Die bei Zwammerdam in den Niederlanden gefundenen Boote wurden vermutlich beim Fischfang auf dem Rhein eingesetzt. Während Philemon als fast elf Meter langes „Mutterschiff“ mit Setzbord, Spanten und Mast ausgestattet war, ist Baucis nach bisherigen Erkenntnissen ein umgebauter Einbaum, der von einem anderen Boot oder Schiff als Behälter für lebende Fische mitgeschleppt wurde. Auch Philemon und Baucis überstanden ihren ersten Test auf der Xantener Südsee mit Bravour.

Gestartet war das Projekt im APX 2014 mit dem detailgetreuen Nachbau der Nehalennia, der modernen Schwester des römischen Plattbodenschiffes aus Xanten-Wardt. In zehnmonatiger Bauzeit entstand das Schiff in liebevoller Handarbeit in der Werft am LVR-RömerMuseum. Nachdem die Schiffsbauer letzte Hand anlegt hatten, zeigte sich der Nachbau 2015 bei Testfahrten auf der Lippe bei Dorsten allen Anforderungen gewachsen.

Das Schiff Minerva Tritonia segelt auf der Xantener Südsee

Die Minerva Tritonia auf der Xantener Südsee

Der APX und das LVR-Integrationsamt nutzen das Projekt für eine neue und langfristig angelegte Kooperation zur betrieblichen Ausbildung von jungen Menschen mit einer Schwerbehinderung. Seit 2014 wurden Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigung, Schulabgängerinnen und -abgänger mit Schwerbehinderung oder Beschäftigte einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Langzeitpraktika fachlich und individuell qualifiziert und so im weiteren Verlauf an eine betriebliche Ausbildung herangeführt. Um diese berufliche Qualifikation direkt vor Ort anbieten zu können, wurde eine integrative Holzwerkstatt in der Werft aufgebaut, in der seit 2017 junge Auszubildende als Fachpraktiker für Holzverarbeitung ausgebildet werden.

Die Anschlussstelle „Schule – Beruf“ ist für das LVR-Integrationsamt ein besonders wichtiges Handlungsfeld: Behinderungsgerechte betriebliche Ausbildungsmodelle sind nämlich nach wie vor Mangelware, obwohl für viele junge Menschen mit Behinderung eine theoriereduzierte Ausbildung möglich wäre. Als Partner von schwerbehinderten Menschen im Arbeitsleben und ihrer Arbeitgeber fördert das LVR-Integrationsamt das Schiffsbauprojekt mit 100.000 Euro. Die dauerhaft eingerichtete Integrationsabteilung „Holzwerkstatt“ wird außerdem durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus Mitteln des Bundesprogramms „Inklusionsinitiative II - AlleImBetrieb" gefördert.

Ein Jugendlicher bearbeitet ein Holzstück mit einer Handfeile Schiffsbauer Kees Sars steht in dem halb fertigen Schiffsrumpf Ein Jugendlicher bearbeitet einen Holzbalken mit einem Hobel

Viele Hände, ein Werk: Schiffbaumeister Kees Sars (Mitte) und zwei Jugendliche aus seinem Team

Die Arbeiten in der Werft sind von April bis voraussichtlich Ende Oktober immer montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr zugänglich. An Wochenenden und Feiertagen ruhen die Arbeiten.

An den folgenden Tagen der offenen Werft arbeiten der Schiffsbaumeister und sein Team auch sonn- bzw. feiertags von 11 bis 17 Uhr vor Publikum:

Die 90-minütige Führung „Vom Einbaum zum Segelschiff" in der Schiffswerft ist für Gruppen bis 15 Personen zum Preis von 60 Euro buchbar über

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