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LVR-Archäologischer Park Xanten
LVR-RömerMuseum

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Römische Bäder

Das große Stadtbad war weit mehr als eine Einrichtung zur Entspannung und Körperpflege. Hier traf man sich mit Nachbarn und Freunden, tauschte Neuigkeiten aus, machte Geschäfte und manchmal wohl auch Politik. Die Thermen waren Treffpunkt und soziales Zentrum einer römischen Stadt schlechthin.

Miniaturmodell der Großen Therme. Die Illustration einer Alltagsszene im Heißbad der Thermen. Eine Illustration zeigt zahlreiche Römerinnen im Auskleideraum mit den von einer Aufsicht bewachten Kleiderfächern.

Wellness für die Massen: Der Besuch der Thermen war für viele Römerinnen und Römer alltäglicher Luxus.

Der Badetrakt, der heute unter dem großen Schutzbau liegt, war das Herzstück einer großflächigen Anlage in der Nähe des römischen Stadtzentrums. Um einen weiten Innenhof gruppierten sich Säulengänge mit Ladenzeilen, Latrinen, ein Wasserturm und eine riesige Eingangshalle, auf deren Grundmauern jüngst das neue LVR-RömerMuseum errichtet wurde. Wie die heutigen "Wellness-Paläste" bot diese Anlage alles, was Körper und Geist zur Entspannung benötigen.

Die eigentlichen Bäder lagen in großen, prächtig ausgestatteten Räumen. Böden und Wände waren mit Marmor verkleidet, Säulen und Außenfassade kunstvoll gestaltet. Die verschiedenen Baderäume lagen entsprechend ihrer Nutzung hintereinander aufgereiht. Man konnte nach Belieben zwischen den unterschiedlich temperierten Räumen wechseln oder Pausen an der frischen Luft und in seitlichen Ruheräumen einlegen, bevor es zurück in die Wasserbecken oder zur Massage ging.

Freigelegte Überreste der freigelegten Grundmauern und eines Heizkanals in den Großen Thermen.

Betrat man den Bau durch die große Halle von Süden, kam man zunächst in das Kaltbad. An seinen Schmalseiten lagen die Becken mit kaltem Wasser, in denen die Gäste sich abkühlen konnten. Von den rund 40 Quadratmeter großen Becken sind unter anderem Teile der Brüstung und der Böden mit geringen Resten der einstigen Marmorplatten zu sehen. Im Estrich finden sich auch noch die Abdrücke des Musters, das ehemals von weißen und schwarzen Steinplatten gebildet wurde.

Rekonstruierte Ziegelpfeiler, die den Laufboden in einem der Schwitzbäder trugen.

An den Seiten des Kaltbads liegen zwei fast 90 Quadratmeter große Schwitzbäder. Wie in heutigen finnischen Saunen konnten die Gäste dort bei hohen Temperaturen kräftig schwitzen. Beheizt wurden sie von Öfen, die in kleineren seitlichen Räumen saßen. Die Unterböden mit den Abdrücken der ursprünglich dort stehenden Ziegelpfeiler, die den Fußboden trugen, sind hier und in den folgenden Räumen noch deutlich zu erkennen.

Freigelegte Grundmauern vor der Glasfassade des Schutzbaus.

Es folgen zwei große, mäßig beheizte Säle, in denen man sich von Masseuren und Haarausrupfern einölen und verwöhnen lassen konnte. Oder einfach nur entspannte. Auch hier lagen die Ofenräume an den beiden Schmalseiten. Im größeren Raum sind die Reste eines 19 Quadratmeter großen Badebeckens zu sehen; im kleineren wurde, vermutlich wegen der großen Anzahl der täglichen Badegäste, ein Becken nachträglich eingebaut.

Freigelegte Überreste der freigelegten Grundmauern und eines Heizkanals in den Großen Thermen.

Am Ende des Gebäudes lag das 350 Quadratmeter große Heißbad, in dem hohe Temperaturen herrschten. Es bestand aus einem großen Mittelraum mit zwei seitlichen Apsiden, in denen vermutlich Badewannen standen. Unmittelbar vor den großen Öfen stand ein langes Badebecken mit heißem Wasser. Zu sehen sind hier unter anderem noch Teile des Unterbodens, die Reste eines Rauchabzugs und ein großer Brocken verstürzten Mauerwerks, der bei der späteren Zerstörung oder beim Zerfall der mächtigen Außenmauern zurückblieb.

Eine Illustration zeigt vier Masseure bei der Arbeit in den Thermen. Im Hintergrund die belebte Halle mit einem der Badebecken.

Aus antiken Schriftquellen wissen wir, dass viele Römerinnen und Römer die Thermen tagtäglich besuchten. Meist öffneten die Bäder um die Mittagszeit und blieben bis zur Dunkelheit zugänglich, allerdings machte man hiervon ebenso Ausnahmen wie von der üblichen Trennung der Geschlechter.

Im Auskleideraum legte man seine Kleider in Fächer ab, die von einer Aufsicht bewacht wurden. Anschließend begab man sich nackt zu Ballspiel und Sport in den Innenhof oder ging direkt in den Badetrakt. Dort suchte man nach der Körperreinigung zunächst die Heißbäder auf. Anschließend folgten die Warm- und Kaltbäder. Nach kräftigem Schwitzen in den Schwitzbädern konnte man sich im Warmbad massieren und epilieren lassen, um sich anschließend eine Ruhepause zu gönnen. Diesen Ablauf konnte man beliebig abwandeln und wiederholen.

Der Aufenthalt in den Thermen war äußerst kurzweilig und nicht immer geruhsam. Schon die Badegänge boten reichlich Abwechslung, zusätzlich lockten Händler und Imbissstände mit Snacks und Angeboten aller Art. Man konnte zu Veranstaltungen gehen, einen Badearzt aufsuchen oder sich mit Bekannten treffen. Für die kaiserlichen Thermen in Rom sind sogar Bibliotheken belegt.

Wie lebhaft das Gedränge in solchen Anlagen gewesen ist, vermag wohl am besten ein berühmter Brief zu schildern, den der römische Philosoph und Staatsmann Seneca um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. einem Freund schrieb. Seneca hat sich während eines Aufenthalts in Baiae nahe dem heutigen Neapel über einer Thermenanlage einquartiert und beklagt sich über den Lärm:

»Von allen Seiten umtönt mich wirrer Lärm, denn ich wohne gerade über den Bädern. Stelle dir jetzt einmal alle Arten von Tönen vor, die es einen bedauern lassen, dass man Ohren hat. Wenn die Kräftigeren ihre Leibesübungen treiben und dabei ihre Hanteln schwingen, wenn sie sich abarbeiten oder auch bloß so tun, dann höre ich ihr Stöhnen und, sobald sie dem angehaltenen Atem wieder seinen Lauf lassen, ihr Zischen und heftiges Keuchen. Wenn ich aber auf einen Müßiggänger stoße, der sich bescheiden nach plebejischer Manier salben lässt, so höre ich das Klatschen der Hand auf den Schultern, das seinen Ton ändert, je nachdem die Hand flach oder hohl aufschlägt. Kommt vollends noch ein Ballspieler hinzu, der zählt, wie oft er den Ball abprallen lässt, dann ist´s um mich geschehen. Nimm nun noch einen Zankapfel hinzu und einen ertappten Dieb und einen, der gern seine eigene Stimme im Bade ertönen hört; nimm ferner noch hinzu die, die unter lautem Klatschen des aufplätschernden Wassers ins Schwimmbassin springen! Außer diesen, deren Laute doch wenigstens natürlich sind, denke dir noch einen Haarausrupfer, der, um sich bemerkbarer zu machen, wieder und wieder seine dünne, schrille Stimme hervorpresst und erst schweigt, wenn er jemandem die Haare unter den Achseln ausreißt und so einen anderen an seiner Statt schreien lässt. Endlich die verschiedenen Ausrufe des Kuchenhändlers, der Wurstverkäufer, der Zuckerplätzler und aller Kellner der Kneipen, die sämtlich in ihrer eigentümlichen, durchdringenden Tonweise ihre Waren anpreisen.«

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