Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

LVR-Archäologischer Park Xanten
LVR-RömerMuseum

Warenwege – Warenflüsse

Wein aus Italien, Olivenöl aus Spanien und kostbarer Marmor aus Afrika - all das gab es in der Colonia Ulpia Traiana, der größten römischen Stadt am Niederrhein. Wie kamen die Waren dorthin, was haben sie gekostet und welche Rolle spielte dabei das römische Militär?

27. Juli bis 25. November 2018

Ansicht des Hafens der römischen Stadt

Hafenansicht der Colonia Ulpia Traiana (Bild: Faber Courtial)

Smartphones aus Fernost und aromatische Früchte aus Übersee – Handel verbindet die moderne Welt. Doch die Idee eines globalen Handels ist nicht neu. Schon vor zweitausend Jahren sorgte der Einzug römischer Lebensart selbst in den entferntesten Provinzen des Imperiums für eine große Nachfrage nach Importen aus allen Teilen der bekannten Welt.

Auch in Niedergermanien entwickelte sich aus einfachen Tauschgeschäften ein florierender Handel. Die römische Metropole Colonia Ulpia Traiana im heutigen Xanten unterhielt nicht nur mit ihren Nachbarn in der Provinz und mit den Germanen rechts des Rheins rege Kontakte, auch aus dem gesamten Mittelmeerraum und aus Gallien strömten große Warenmengen an den Niederrhein. Die Händler konnten dabei trotz hoher Transportkosten und Zölle beträchtliche Gewinne erzielen. Begehrt und teuer waren exklusive Produkte wie Seide, Kaschmirwolle, Weihrauch, erlesener Marmor oder Bernstein. Exotische Gewürze wie Pfeffer oder Koriander fanden ihren Weg in die heimische Küche, selbst Reis führte man ein. Auch Alltägliches gelangte von weit her an den Niederrhein, darunter riesige Mengen Olivenöl und Fischsauce.

Weil der Transport auf den holprigen Straßen mühsam verlief, bevorzugte man für schwere Lasten den Wasserweg. Über das Aussehen der Fuhrwerke und Schiffe informieren eindrucksvolle Nachbauten in einem zur Ausstellung gehörenden Pavillon und in der Werft des APX. Andere Exponate zeigen, dass Handel und Transport auf allen Wegen mit zahlreichen Risiken verbunden waren. Stürme auf See oder Wegelagerer an den Straßen, aber auch eine gebrochene Radachse gefährdeten den Erfolg des Geschäfts. Kaufleute, Kapitäne und Schiffseigner baten daher die Götter um eine sichere Reise. Reisende nach Britannien errichteten Weihesteine für die Göttin Nehalennia, die in Heiligtümern an der Nordseeküste verehrt wurde. Fuhrleute wandten sich an Epona, die Beschützerin von Pferden, Maultieren und Eseln, und Merkur, der Gott der Händler und Diebe, war in Niedergermanien sogar beliebter als in Rom.

Die teuren Weihesteine zeugen ebenso vom Wohlstand und Selbstbewusstsein der Kaufleute wie ihre aufwendigen Grabmonumente, die uns häufig aufschlussreiche Bildszenen aus ihrem Gewerbe präsentieren. So findet sich auf der Grabstele des frumentarius Basilides aus dem österreichischen Carnuntum ein Schiff, weil der Versorgungsoffizier dank der Flotte den steten Fluss an Waren und Nachrichten sichern konnte. Andere Exponate aus insgesamt 18 europäischen Museen zeigen etwa einen antiken Schiffsbug in Miniaturformat von der Mosel, den Rheingott Rhenus, aber auch Modelle und Gussreste aus dem germanisch-westfälischen Bleibergbau für den römischen Markt oder ein Schminkkästchen mit kostbarem Weihrauch, der den Weg vom Orient nach Xanten gefunden hatte.

Die Besucher können an einer Medienstation auch selbst in die Rolle eines römischen Händlers schlüpfen und sich daran versuchen, ihr Budget in einem Handelsnetz von Gütern und Rohstoffen zu vermehren. Offene Führungen und Walking Acts in der Ausstellung, Vorträge und Aktionen zum Mitmachen runden das Angebot ab. Außerdem ist zur Ausstellung druckfrisch ein reich bebilderter Begleitband erschienen (688 Seiten, 29,90 €). Darin beleuchten renommierte Wirtschaftshistoriker und Archäologen die ökonomischen Grundlagen des Handels am Niederrhein und erklären, wie Münzen zu Geld wurden. Der Band stellt die Bevölkerung und die Legionen als Konsumenten und Produzenten vor, erläutert Schicksale antiker Kaufleute und entführt die Leser an lebhafte Marktplätze und überfüllte Häfen.

Offene Führungen für Erwachsene

Samstags, sonntags und feiertags jeweils 13 Uhr
60 Minuten, Erwachsene 2 €, Kinder 1 €

Offene Führungen für Kinder und Familien

Samstags, sonntags und feiertags jeweils 13 Uhr
60 Minuten, Erwachsene 2 €, Kinder 1 €

Zusätzlich in den Sommer- und Herbstferien NRW: freitags 13 Uhr

Gruppenführungen

Buchbare Führungen für Erwachsene, Schulklassen und offene Führungen für Familien in der Sonderausstellung
Maximal 15 Personen, 60 Minuten, 33 €

Zusätzlich in den Sommer- und Herbstferien NRW als offenes Angebot für Familien und Kinder: freitags 13 Uhr
60 Minuten, Erwachsene 2 €, Kinder 1 €

Mitmachaktion & Ferienprogramm

Spargel, Spatzen, Schalentiere – tabulae ansatae
Einen Strichcode oder eine ISBN-Nummer kannten die Römer noch nicht, sie kennzeichneten ihre Waren mit Etiketten aus Blei mit eingeritzten Inschriften. Die Erwähnung von Pfeffer, Spargel und sogar von Spatzen auf diesen Etiketten gibt uns erstaunliche Einblicke in Nahrungsmittel und Delikatessen. Welche Produkte stehen heute in eurem Vorratsschank? Im Workshop könnt ihr für eure ganz persönlichen Lieblingsspeisen ein Warenetikett herstellen.

Ab 12 Jahren, 60 Minuten, Materialkosten 2 €

Zusätzlich als offenes Angebot in den Sommer- und Herbstferien NRW: mittwochs 14 Uhr

Museumsrucksack

Mit dem Museumsrucksack zur Sonderausstellung können Familien mit Kindern die Geschichte des Handels in der antiken Stadt auf eigene Faust entdecken. Rätselspaß und spannende Mitmachaufgaben führen auf einem Rundgang zu den wichtigsten Objekten im Museum sowie an die Ausstellungsorte im Archäologischen Park und in der Schiffswerft.

Für Kinder von 6 bis 12 Jahren
Pfand 10 €

Walking Acts

Der Schiffseigner Blussus ist durch Handel reich geworden. Das Ensemble des theater taktil blickt in kurzen Auftritten hinter die Kulissen des erfolgreichen Familienunternehmens und erzählt von der Göttin Nehalennia, die über die Schiffsreisenden wacht.
29.7., 26.8. (Blussus) | 30.9. (Nehalennia)
Jeweils 11.30 Uhr, 13.30 Uhr, 16 Uhr

Vorträge

Jeweils montags 18 Uhr

Ohne Kühlschrank oder Weckgläser – Haushalten in der Römerzeit
17.9., Dr. Tünde Kaszab-Olschewski (Xanten)

Grenzenloser Konsum – Amphoren und der Warentransport in der römischen Welt
8.10., Dr. Florian Schimmer (Mainz)

Der Hafen der Colonia Ulpia Traiana, Xanten
15.10., Dr. Valeria Selke (Xanten)

Spatzen und Raben, Pfeffer und Zimt – Schriftdenkmäler zum römerzeitlichen Handel aus der Nähe und dem fernen Orient
19.11., Dr. Lothar Schwinden (Trier)

Flagge England Flagge Niederlande

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