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LVR-Archäologischer Park Xanten
LVR-RömerMuseum

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Aktuelle Forschungsprojekte

Der APX ist Schauplatz vielfältiger Forschungsprojekte. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Haues arbeiten in enger Vernetzung mit Universitäten, Museen und anderen Forschungseinrichtungen. Hier finden Sie eine Übersicht über die aktuellen Projekte.

Bearbeitung: Dr. Martin Müller, Dr. Norbert Zieling
Ziel des Projektes ist die geophysikalische Prospektion des gesamten CUT-Areals und des römischen Hafens. Nach vorbereitender Beratung durch das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und der Erstellung eines Konzepts wurde zunächst der umfangreiche Bestand an Luftbildern und historischem Plänen erfasst und ein Verlustflächenplan erstellt. Seitdem erfolgen geophysikalische Prospektionen durch die Firma Eastern Atlas, Berlin, vorwiegend unter Einsatz des Georadars. Auch das Archäologische Institut der Universität Hamburg (Prof. Dr. Martina Seifert) ist im Rahmen von Lehrveranstaltungen an den Untersuchungen beteiligt. Aktuell sind bereits mehr als 90% der prospektierbaren Flächen der Colonia untersucht, ein vorläufiger Abschluss ist für 2019 vorgesehen.
Finanziert überwiegend durch das Denkmalförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, zum Teil aus Eigenmitteln.

Dissertationsvorhaben von Nikola Babucic
Als Untersuchungsfeld des Dissertationsvorhabens dient das Gelände der Colonia Ulpia Traiana, das in den letzten hundert Jahren zu rund 15 % grabungstechnisch untersucht bzw. erfasst wurde. Unter anderem führt die Klassische Archäologie der Universität Hamburg auf Einladung des LVR-Archäologischen Parks Xanten seit 2013 geophysikalische Prospektionen mit der Geomagnetik und dem Georadar auf dem Gelände der CUT durch. Ziel der Dissertation ist die Klassifizierung und standardisierte Validierung von geophysikalischen Messergebnissen. Der Informationsaustausch unterschiedlicher Verfahren (Magnetik, Suszeptibilitätsmessung, GPR, Luftbildarchäologie, Aufarbeitung älterer Grabungsdokumentationen und Prospektionen sowie Einbindung in ein GIS), die punktuelle Freilegung vielversprechender Flächen und die Hinzunahme historischer Quellen sollen eine Grundlage für die Rekonstruktion des gesamten Stadtareals und dessen unmittelbarer Umgebung bilden.
Betreuerin: Prof. Dr. Martina Seifert, Universität Hamburg.

Bearbeitung: Dr. Jutta Meurers-Balke, Michael Herchenbach, Dr. Tanja Zerl
Dr. Dr. h.c. Karl-Heinz Knörzer hat seit 1964 Bodenproben aus den Ausgrabungen in der CUT archäobotanisch untersucht. Seine Ergebnisse hat er 1981 in Band 11 der Reihe Archaeo-Physika monografisch vorgelegt. Inzwischen ist der Datenbestand durch Karl-Heinz Knörzer und die Arbeiten des Kölner Labors für Archäobotanik erheblich erweitert worden. Damit haben sich eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse ergeben, die erst zu einem geringen Teil in Einzelpublikationen behandelt wurden. Das Kölner Labor hat in den letzten Jahren alle aus der CUT vorliegenden archäobotanischen Daten – neben den Bestimmungen der Früchte und Samen auch die pollenanalytischen Ergebnisse – gesichtet und neu bewertet. Der laufenden, landschafts- und agrargeschichtlichen Auswertung dienen nicht nur die archäobotanischen Funde und Befunde, es werden auch antike Schriftquellen – Enzyklopädien, Agrarschriften, pharmakologische Literatur, Rezeptsammlungen – einbezogen, die Aussagen zu den in der Antike üblichen Nutzungsbereichen von Pflanzen erlauben und damit unser Bild über die römische Flora – auch am Niederrhein – bereichern.

Bearbeitung: Dr. Gabriele Schmidhuber-Aspöck
Seit 2014 werden im APX sukzessive alle bekannten Typen von römischen Rheinschiffen rekonstruiert. Die originalen Schiffsfunde stammen aus Xanten und von anderen Fundorten (Zwammerdam, Mainz) aus dem 1. bis zum späten 4. Jahrhundert n. Chr. Es handelt sich um gallo-römische Schiffstypen, die in der Antike sicher auch den Hafen der CUT angefahren haben. Die Rekonstruktionen erfolgen im wissenschaftlichen Austausch mit Archäologen in den Niederlanden und des Museums für Antike Schiffahrt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. Die bei der Rekonstruktion und bei experimentellen Testfahrten gewonnenen Erkenntnisse werden im APX zeitnah einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Seit September 2017 ist die eigens eingerichtete Werft im APX zugleich ein offizieller Ausbildungsbetrieb für junge Menschen mit Behinderung, die hier eine qualifizierte Ausbildung für den Arbeitsmarkt erhalten.
Das Projekt wird in enger Kooperation mit dem LVR-Integrationsamt betrieben, finanziert durch Mittel der Regionalen Kulturförderung, Aktion Inklusion des LVR-Integrationsamts und Eigenmittel. Projektpartner sind Haus Freudenberg, Lebenshilfe, Spix Sozialpsychiatrische Initiative Xanten in Wesel und die Bönninghardt-Schule in Alpen.

Dissertationsvorhaben von Sebastian Held M. A.
In den 1990er Jahren wurden bei Kiesarbeiten in Xanten-Lüttingen die Überreste eines knapp 35 Meter langen Prahms durch die Außenstelle Xanten des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland entdeckt und fachgerecht ausgegraben. Eine Beprobung der Hölzer ergab ein Dendrodatum aus den 270er Jahren n. Christus. Eine bauliche Besonderheit des Prahms ist in dieser Form bisher nicht bekannt aus dem römischen Schiffbau: Längs an der oberen Bordwand ist ein geviertelter Baumstamm angesetzt, über den die Besatzung laufen konnte, ohne über die Ladung steigen zu müssen. Der Befund wurde nach detaillierter Dokumentation konserviert und in einer Klimakammer im APX eingelagert. Die Größe des Prahms, seine späte Datierung und die Fundumstände bilden die Grundlage für das Dissertationsvorhaben, in dessen Rahmen auch andere Schiffsfunde aus dem Bereich der Außenstelle Xanten des LVR-ABR herangezogen werden, um in eine gesamtheitliche Betrachtung einzufließen.
Betreuer: Prof. Dr. Salvatore Ortisi, Ludwig-Maximilians-Universität München.

Bearbeitung: Dr. Tünde Kaszab-Olschewski
Das in der Werft des APX gebaute Fischerboot Philemon soll ein möglichst authentisch rekonstruiertes Segel erhalten. Obwohl solche mit einem Segel ausgestatteten Einbäume in den Nordwestprovinzen sehr verbreitet waren, haben sich keine antiken Segelstoffe erhalten. Hinweise auf ihr Aussehen und technische Details liefern bildliche Reliefs, Schriftquellen, archäobotanische Analysen und andere Textilfunde. Demnach ist am Rhein mit Leinen als Rohstoff zu rechnen. An den Webstühlen in den römischen Handwerkerhäusern fertigen zwei Spezialistinnen ein ca. fünf Quadratmeter großes Leinensegel an. Eigens zu diesem Zweck werden funktionstüchtige Nachbildungen von Webgewichten aus dem Kölner Flottenlager Köln-Alteburg hergestellt. Aus dem handwerklichen Produktionsprozess sollen wichtige Informationen über webtechnische Details bei der Tuchherstellung sowie zu den Eigenschaften des antiken Segelstoffes gewonnen werden.

Bearbeitung: Dr. Peter Kienzle
Die 2015 eröffneten römischen Handwerkerhäuser stellen typische Wohn- und Arbeitsverhältnisse der einfachen Stadtbevölkerung dar. Die tragenden Wände bestehen aus massivem Stampflehm. Die Rekonstruktion der Häuser stellte die Bauforscher neben der wissenschaftlichen Untersuchung der originalen Architektur vor besondere Herausforderungen, weil das fachliche und handwerkliche Wissen um die alten Lehmbautechniken in Europa heutzutage weitgehend verlorengegangen ist. Wie aufwändig war der Bau eines Hauses, wie lange haben welche Schritte gedauert und welchen Grad an Bauunterhaltung benötigen die Bauten aus Lehm im Zuge ihrer (musealen) Nutzung?

Bearbeitung: Dr. Peter Kienzle
Die rekonstruierten Herbergsthermen im APX waren von 1989 bis 2005 in Betrieb. Seitdem wurden sie nicht mehr beheizt, weil Rauchgase in die Baderäume eindringen. Wurde die Anlage falsch rekonstruiert, fehlerhaft betrieben oder hatten bereits die Römer vergleichbare Probleme? Als Grundlage für eine Sanierung der Thermen werden das thermische Verhalten römischer Baustoffe und die Funktion der Hypokaustheizung untersucht. In der Erforschung der komplexen bauphysikalischen Zusammenhänge kooperiert der APX mit Mag. Dr. H. Lehar (Universität Innsbruck, Archäologisches Institut) und Prof. Dipl.-Ing. Dr. K. Maier (Versuchsanstalt Innsbruck, Staatl. Akkreditierte Versuchsanstalt für Baustoffe). Dabei werden auch Messungen des Vereins Deutscher Ingenieure aus den Jahren 1993/94 ausgewertet; neue Messversuche sind geplant.

Dissertation von Dr. des. Edeltraud Mittag
Zwischen 1974 und 1983 fanden mehrere Ausgrabungen in der Ostecke von Insula 38 statt. Anschließend wurden die dabei freigelegte Herberge und die angrenzende Badeanlage, die eine gemeinsame Fundamentmauer verbindet, dreidimensional rekonstruiert. Nach Abschluss der Grabungen werteten C. Bridger 1989 die Befunde und K. Kraus 1992 die Feinkeramik aus den sog. „Herbergsthermen" aus, während die Befunde und Funde im direkt anschließenden Grabungskomplex „Herberge" 1996 von E. Goddard in einer Dissertation bearbeitet wurden. Die 2015 an der Uni Köln abgeschlossene Dissertation von E. Mittag, die bis Jahresende auf dem Hochschulserver der Universität zu Köln erscheinen soll, legt das gesamte Fundmaterial der „Herbergsthermen" vor. Alleine die Vorlage des Fundmaterials umfasst 13.000 Fundnummern, hinzu kommt ein umfangreicher Befundkatalog. In der Auswertung wurden die von den vorherigen Bearbeitern herausgearbeiteten zeitlichen Ansätze unter Berücksichtigung aller Funde überprüft und durch ihre Einbindung in die Befunde modifiziert.
Betreuer: Dr. Thomas Fischer, Universität zu Köln.

Bearbeitung: Dr. Bernhard Rudnick
Zwischen 2009 und 2014 durchgeführte Grabungen auf Insula 6 brachten überraschende Baubefunde zutage. Singulär in seiner Grundstruktur ist bislang der Grundriss eines knapp 2000 qm großen Gebäudekomplexes, der aus einer zweitgeteilten Basilika, einem davorliegenden Binnenhof mit Portiken und einem Eingangsgebäude bestand. Seine funktionale Deutung ist problematisch, da der Bau in der frühen Neuzeit nahezu komplett ausgebrochen wurde. Unmittelbar südöstlich schloss sich ein mehrphasiges Wohngebäude an. Münzfunde lassen auf ein Ende der ursprünglichen Bebauung auf Insula 6 im letzten Drittel des 3. Jhs. schließen. Eine direkt neben dem Wohnhaus liegende großflächige Eintiefung wird als Lehmentnahmegrube aufgefasst, die mit zahlreichen fundträchtigen Planierschichten verfüllt wurde. Über der letzten Schicht wurden eine Umfassungsmauer und ein Gebäude errichtet. Mittels geophysikalischer Untersuchungen auf Insulae 13 und 14 gelang es, die Größe dieses von der Stadt abgetrennten Bereiches zu bestimmen. Eine zeitliche Einordnung sowie Hinweise zum Charakter dieses sogenannten Südquartiers werden von der Fundbearbeitung durch Alice Willmitzer erhofft.
Ziel ist die Publikation der Grabungsbefunde unter Einbindung der Fundauswertung.

Dissertationsvorhaben von Alice Willmitzer M. A.
Bei der Großgrabung auf Insula 6 vor der Errichtung des Verwaltungsneubaus des APX wurden zwischen 2009 und 2014 erhebliche Fundmengen geborgen. Die Befunde werden von Bernhard Rudnick vorgelegt (s. o. Befunde Großgrabung Insula 6) und dienen als Leitlinie zur Bearbeitung. Die Funde stammen aus unterschiedlichen baulichen Komplexen und beleuchten die Entwicklung der süd(west)lichen Hälfte der CUT, die besonders im Verhältnis zur Hafenseite weniger gut erforscht ist. Es besteht die Hoffnung, dass geschlossene Kontexte des 3. Jahrhunderts Auskunft über diese unruhigen Zeiten geben und zur Datierung des sogenannten Südquartiers beitragen. Die Funde sind in den vergangenen Jahren bereits inventarisiert und bearbeitet worden. Ziel ist ihre abschließende Bestimmung und Auswertung und ihre Publikation in Zusammenhang mit den Befunden.
Betreuer: Prof. Dr. Salvatore Ortisi, Ludwig-Maximilians-Universität München.

Bearbeitung: Dr. Bernd Liesen
Angegliedert an die Publikation der Befunde auf der Kapitolsinsula durch Ausgräber Gundolf Precht (Xantener Berichte 25) bereitet B. Liesen eine Auswertung und Publikation des umfangreichen Fundmaterials aus den Ausgrabungen von 1994 bis 1998 vor. Der Grabungsbereich weist eine komplexe Stratigrafie mit mehreren Bauphasen seit dem 1. Drittel des 1. Jahrhunderts auf und war seit hadrianischer Zeit Standort des Capitols. Ziele der Fundbearbeitung sind die Datierung der Baubefunde, die Untersuchung der Funktion der verschiedenen frühkaiserzeitlichen Gebäude und der Sozialstruktur ihrer Bewohner sowie der wirtschaftlichen Beziehungen der vorkoloniezeitlichen Siedlung. Neben Wohnbauten fanden sich auch Hinweise auf eine handwerkliche Nutzung des Areals.
Finanziert durch das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bearbeitung: Sabine Leih M. A. und Dr. Bernd Liesen
Durch 2006 durchgeführte Georadaruntersuchungen nordöstlich der Großen Thermen ließen sich im Bereich von Insula 17 ein 20 m breiter Bau und eine lineare, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Struktur, wohl eine Straße, vermuten. Um Genaueres in Erfahrung zu bringen, wurde der Bereich ausgegraben. Dabei wurde zunächst ein Gebäude mit einer Kanalheizung freigelegt, das erst gegen Mitte des 3. Jhs. errichtet wurde. Nach Abtrag der Gebäudestrukturen konnten umfängliche Mörtel- und Werkzollhorizonte freigelegt werden, die möglicherweise mit Baumaßnahmen an den Großen Thermen in Zusammenhang standen. Dabei wurde ein Gebäude mit einer Kanalheizung freigelegt, das möglicherweise mit Baumaßnahmen an den Großen Thermen in Zusammenhang stand. Darunter fand sich ein Abschnitt der jüngsten vorcoloniazeitlichen Limesstraße, die das Lager Vetera Castra I auf dem Fürstenberg bei Xanten mit dem Lager in Burginatium (Kalkar) verband.
Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die siedlungsgeschichtlichen Abläufe im ergrabenen Geländeausschnitt durch die Analyse der Funde und Befunde zu klären und im Kontext der Stadtentwicklung zu bewerten.

Lehrgrabung des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln

Grabungsleitung 2018: Stefan Pircher, Stephanie Braun, Sabrina Geiermann
Das Archäologische Institut der Universität zu Köln bietet seinen Studierenden seit 2016 im Rahmen jährlicher Forschungskampagnen im APX die Möglichkeit, alle Aspekte der modernen Grabungsmethodik zu erlernen. Primäres Ziel ist die Erforschung eines mehrphasigen Großbaus auf Insula 22, zu dem unter anderem ein umfangreich gestalteter Eingangsbereich mit Wasserbecken gehört. Unterhalb dieser Bebauung liegen materialreiche Erdgruben aus der Vorcoloniazeit.
Um neue Wege für die vollständige dreidimensionale Erfassung einer archäologischen Ausgrabung zu entwickeln und antike Tier- und Pflanzenreste in die Auswertung und Interpretation einzubeziehen, arbeitet das Archäologische Institut mit der Technischen Hochschule Köln (Institut für Baubetrieb und Vermessung und Institut für Informatik) und der Integrativen und prähistorischen naturwissenschaftlichen Archäologie (IPNA) der Universität Basel/CH zusammen.
Projektleitung: Prof. Dr. Eckhard Deschler-Erb, Archäologie der Römischen Provinzen, Archäologisches Institut der Universität zu Köln.

Bearbeitung: Dr. Martin Müller, PD Dr. Andrea Faber, Prof. Dr. Renate Thomas, PD Dr. Werner Oenbrink
Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die Aufarbeitung der Funde und Befunde der Grabungen unter Harald von Petrikovits 1934/35 und der Grabungen des APX von 2010 und 2018. Die Grabungen der 1930er Jahre haben das Amphitheater fast flächendeckend aufgedeckt; ferner wurden der römische Fahrstuhl und dessen gut erhaltene Holzkonstruktionen untersucht. Ziel ist die Vorlage der Befunde und der Funde aus diesen Grabungen auf Grundlage der lückenhaft überlieferten Dokumentation der Altgrabungen. Eigene Untersuchungen erfahren die Bauornamentik und die Wandmalereien an der Innenwand der Arena.

Dissertationsvorhaben von Johannes Schießl M. A.
Die Stadtmauer mit ihren 22 Zwischen- und Ecktürmen, den zum Teil vorgelagerten Wehrgräben und drei großen, repräsentativen Toranlagen ist eines der größten öffentlichen Bauwerke der CUT. Trotz einer über 130-jährigen Grabungsgeschichte sind viele Fragen zur Stadtmauer nicht abschließend geklärt: Gab es mehrere Bauphasen? Wie sah die Bebauung in den Bereichen vor der Errichtung der Stadtmauer aus? Wann wurde die Stadtmauer niedergelegt? Darüber hinaus wird untersucht, wie die Gründung der CUT im Kontext der Städtegründungen Kaiser Trajans einzuordnen ist. Ein besonderes Augenmerk gilt den an vielen Stellen angetroffenen vorcoloniazeitlichen Befunden, die einen Einblick in die Siedlungsentwicklung vor Kaiser Trajan bieten. Als besonderer Befund aus dem Bereich des Burginatiumtors wird ein flächiger Abbruchhorizont mit sicher stratifiziertem spätantikem Fundmaterial untersucht.
Betreuer: Prof. Dr. Michael Mackensen, Ludwig-Maximilians-Universität München

Bearbeitung: Elisabeth Hähner M. A., Dr. Brita Jansen, Dr. Michael Zelle
Anschließend an die Vorlage der Wandmalerei-Funde aus Privatbauten (Xantener Berichte 11) bereiten die Autoren die Publikation der römischen Malereien aus öffentlichen Bauten der CUT vor. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen Fragen nach dem Ausstattungsniveau der öffentlichen Bauten und dem Vergleich mit anderen urbanen Zentren, Verbindungen zu anderen Werkstätten und die Klärung chronologischer Entwicklungen. Die betrachteten Funde stammen aus der Insula 10 (Große Thermen), Insula 11/18 (sog. Verwaltungspalast), Insula 19 und Insula 32 (Wohnquartiere), Insula 25 (Forum), Insula 37 (Hafentempel) und Insula 38 (Herberge mit Herbergsthermen). Das Projekt entspringt einer Kooperation mit dem Archäologischen Institut der Universität zu Köln.
Finanziert durch das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bearbeitung: PD Dr. Werner Oenbrink
Im Zentrum der Untersuchungen stehen zentrale Fragestellungen zur Stadtentwicklung und Urbanistik der CUT; zugleich sollen im Rahmen des Projektes auch Einsatz und Bedeutungsgehalt kaiserzeitlicher Bauformen und Architekturdekorationen am Beispiel der Provinz Germania Inferior exemplarisch untersucht werden.
Grundlage für die Betrachtung der urbanistischen Entwicklung des Bezirks auf Insula 37 von der Vorcoloniazeit bis zur Spätantike bildet zunächst die Erfassung und analytische Auswertung stratigrafischer und bautechnischer Details sämtlicher relevanter Befundstrukturen. Parallel wird eine typologische und stilistische Analyse der Architekturglieder, Bauornamentik- und Ausstattungsfragmente durchgeführt, auf deren Grundlage eine chronologische Abfolge der Entwicklung des Tempelareals erfolgen kann.
Das Projekt wird in Kooperation mit der Professur für Archäologie der Römischen Provinzen (Prof. Dr. Manuela Konrad) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg durchgeführt.

Bearbeitung: Dr. Norbert Zieling
Ziel des Projekts ist die Aufarbeitung und Publikation der Befunde und Funde aus den Ausgrabungen in den sog. Großen Thermen. Das antike Stadtbad auf Insula 10 der CUT wurde bereits 1879 entdeckt. Nach ersten Grabungen im 19. Jahrhundert und großflächigen Untersuchungen zwischen 1957 und 1963 fanden ab 1984 weitere umfangreiche Grabungen statt, die mit Unterbrechungen bis zum Jahr 2008 fortgesetzt wurden. Seit dieser Zeit gilt die Thermeninsula archäologisch wie bauhistorisch als das bestuntersuchte Areal der gesamten Colonia. Mit der Aufarbeitung der Befunde und Funde und deren Veröffentlichung sollen die daraus gewonnenen Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich gemacht werden.

Bearbeitung: Dr. Ralf Grüßinger
Die unterlebensgroße Statue der sandalenlösenden Venus ist eines der Glanzstücke des LVR-RömerMuseums. Während der sog. Lüttinger Knabe das Neue Museum in Berlin schmückt und der überlebensgroße Porträtkopf trajanischer Zeit zum Bestand des Museum Het Valkhof in Nimwegen zählt, wird die Venus als einzige Xantener Großbronze am Ort ihrer Auffindung verwahrt. Entdeckt wurde sie 1967 bei Grabungen in einer Grube auf Insula 27. Offensichtlich war die Statue dort nach starker Beschädigung durch Feuereinwirkung deponiert worden. Der Fund wurde 1970 von E. Künzl in einem längeren Aufsatz vorgestellt, der sich hauptsächlich mit der kunstgeschichtlichen Einordnung des Statuentyps befasst. Im Jahr 1988 legten dann E. Formigli, G. Althaus und B. von Zelewski die Ergebnisse einer röntgenologischen Untersuchung vor. Ansonsten fand die Statue in der Forschung bislang überraschenderweise wenig Aufmerksamkeit.
Das Projekt setzt sich zum Ziel, den bislang unpublizierten Befund der Grube im Kontext der Wohnbebauung von Insula 27 aufzuarbeiten und die Deponierung der Statue zu datieren. Des Weiteren sollen die Röntgenbilder auf der Basis des aktuellen Forschungsstandes zur Herstellungstechnik antiker Großbronzen erneut analysiert und über weitere naturwissenschaftliche Verfahren (Computertomographie, Oberflächenscans, Materialanalyse etc.) nähere Hinweise zu Ort und Zeitpunkt der Herstellung gewonnen werden.

Bearbeitung: PD Dr. Christoph Eger
Christoph Eger bereitet eine Publikation der römischen Bronzegefäße aus Xanten und Umgebung auf Grundlage der Vorarbeiten durch Dr. Hans-Joachim Schalles vor. Mit den Funden aus den Ausgrabungen im Stadtgebiet der CUT, insbesondere mit den Funden aus den Kiesausbaggerungen im Bereich des alten Rheinverlaufs bei Xanten besitzt der APX die umfangreichste Kollektion an römischem Bronzegeschirr in der Region. Die Publikation wird zwei Teile umfassen: Im Fundkatalog werden die einzelnen Gefäße und ihr Fundkontext ausführlich beschrieben, ferner wird jedes Gefäß dokumentiert. Im auswertenden Teil erfolgt eine formenkundliche und chronologische Analyse.

Bearbeitung: Dr. Holger Komnick
Ziel des im November 2017 begonnen Projektes ist die Bestimmung und Erfassung der aus dem Bereich des Legionslagers Vetera I stammenden antiken Fundmünzen. Die Vorlage wird in Form eines Fundmünzkataloges mit beigefügtem wissenschaftlichem Kommentar erfolgen. Im Mittelpunkt des Vorhabens steht ein über 1.000 Fundmünzen umfassender Lesefundkomplex, der in 1980er Jahren Eingang in das Münzkabinett des LVR-LandesMuseum Bonn gefunden hat (E-Nr. 32/96). Ein Hauptaugenmerk wird der anteiligen Zusammensetzung der Münzen der augusteischen Zeit gelten, da hier Abweichungen zu den Fundmünzreihen anderer augusteischer Lager entlang des Niederrheines (Nijmegen, Moers-Asberg und Neuss) festgestellt worden sind.
Finanziert durch die Regionale Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland.

Bearbeitung: Dr. Valeria Selke, Sabine Leih M. A., Dr. Bernd Liesen
Der Hafen der CUT gilt als einer der am besten ergrabenen zivilen Flusshäfen der Nordwest-Provinzen. Ziel der interdisziplinären Untersuchungen ist, ein Referenzmodell für die strukturelle Analyse urbaner römischer Häfen in den nordwestlichen Provinzen zu gewinnen und dessen Bedeutung für die Versorgung der Region mit Waren aller Art zu klären. Hierzu werden die archäologischen Befunde aus allen Grabungen vor der nordöstlichen Stadtmauer zwischen 1934 und 1993 ausgewertet. In diesem Rahmen werden u.a. die entnommenen Bohrkerne und Bodenproben einer Neuuntersuchung durch Prof. Dr. R. Gerlach und Dr. J. Meurers-Balke unterzogen; außerdem erfolgte im Frühjahr 2016 eine weitere Bohrung im sog. Dombogen durch Prof. Dr. A. Vött und Dr. P. Fischer vom Geographischen Institut der Universität Mainz. Weitere Unterstützung erfährt das Projekt durch geophysikalische Prospektionen durch die Firma Eastern Atlas, eine numerische Modellierung des Hafens durch C. Dempwolff vom Franzius-Institut für Wasserbau, Ästuar- und Küsteningenieurswesen der Leibniz-Universität Hannover und eine Neuuntersuchung von Hölzern durch Dr. Th. Frank vom Dendrolabor der Universität zu Köln. Die Auswertung des Fundmaterials aus den Hafengrabungen erfolgt durch Dr. R. Franke (s. u.).
Das Projekt ist Teil des DFG-Schwerpunktprogrammes „Häfen von der römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“ und dessen Teilprojekt „Der Rhein als europäische Verkehrsachse“ zugeordnet.

Bearbeitung: Dr. Regina Franke
Aus den oben angesprochenen Ausgrabungen im Bereich des Hafens der CUT von 1934 bis 1993 sind insgesamt 1200 Fundkomplexe aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. zu bearbeiten. Ihre Erfassung und Auswertung soll als chronologisches Gerüst für die Geschichte des Hafens dienen, aber auch die Entwicklung des Hafens und dessen Rolle in der Vorkoloniezeit sowie bei der Versorgung des benachbarten Legionslagers beleuchten. Weitere Fragestellungen bei der Analyse von Warengruppen betreffen das Verhältnis von Import und Export und die Unterschiede in der Warenversorgung im Vergleich mit dem südlichen Teil der Germania Inferior sowie die Rolle der am Hafen angesiedelten Handwerksbetriebe.
Finanziert durch die Regionale Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland.

Bearbeitung: Prof. Dr. Renate Gerlach, Dr. Jutta Meurers-Balke, Michael Herchenbach, Sabine Leih M.A.
Im Rahmen des Rhein-Limes-Projektes des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland wurden in Zusammenarbeit mit dem APX auch der aus dem Hafen der CUT vorliegende Datenbestand aus 150 Rammkernbohrungen mit 86 Pollen- und 50 Makrorestproben sowie mehreren Grabungsschnitten mit archäobotanischen Befunden einer Neubewertung unterzogen. Auf Grundlage der neuen Auswertungen zeigte sich, dass in Xanten – ebenso wie an allen anderen Hafenstandorten am Niederrhein – ausschließlich am Prallhang des Rhein-Hauptstromes ein dauerhaft ausreichender Wasserstand für feste Hafenanlagen gegeben war. An solchen Prallhängen sind Uferabbrüche kaum zu vermeiden; auch die Xantener Hafenrinne war wiederholt davon betroffen. Den Uferabbrüchen begegnete man mit der Anlage von Uferschutzanlagen. Ein solches Packwerk aus Pfählen, Stecken, Astgeflechten und Müllschichten ließ sich aus den archäologischen, geoarchäologischen und archäobotanischen Befunden der 1993 durchgeführten Hafengrabung rekonstruieren. Als „Senkerde“ für die aus Zweigen und Ästen bestehenden Faschinen verbaute man Plaggen (caespites), die man an nassen (Gleithang-)Ufern abgestochen hatte. Die Ergebnisse wurden im SPP 1630 weiterverfolgt und konnten anhand weiterer Hafenstandorte präzisiert werden.

Bearbeitung: Dr. Patrick Könemann
Auf dem Areal der Colonia Ulpia Traiana wurden bislang sechs Mörser aus Kalkstein entdeckt. Die Mörser dienten der Nahrungszubereitung oder der Zerkleinerung von Farbpigmenten in Malerbetrieben. Eine Verwendung für Pigmente ist besonders für einen 1991 im Bereich des Hafentempels gefundenen Mörser zu vermuten, da er in unmittelbarer Nähe zu einer Malerausstattung lag. Die steinernen Reibgefäße aus der CUT sollen zusammen mit Materialanalysen, die an der Universität Würzburg vorgenommen wurden, vorgelegt und typologisch mit weiteren Stücken der Nordwestprovinzen verglichen werden. Für die Exemplare der CUT und der Germania inferior gilt es etwa zu untersuchen, ob sich hier ähnliche Tendenzen feststellen lassen wie in Richborough (GB), wo der Handel mit Reibgefäßen aus Kalkstein nur ein Nebenprodukt von Baumateriallieferungen aus Steinbrüchen waren.

Bearbeitung: Prof. Dr. José Remesal Rodríguez
Aus den Formen, Stempeln, Graffiti und den teilweise erhaltenen Pinselaufschriften der in Xanten gefundenen Amphoren lassen sich weitreichende Rückschlüsse über den Fernhandel und den Importbedarf der römischen Bevölkerung am Niederrhein ziehen. Das Forschungsprojekt wertet die Epigrafik auf Amphoren sowie umfangreiches Fundmaterial aus ausgewählten Komplexen aus. Schwerpunkte bilden die Funde aus dem Temenos des sog. Hafentempels, den Thermen, den Handwerkervierteln der Insulae 34 und 39 sowie der Spätantike.
Gefördert durch das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW (heute Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung) und der Generaldirektion für Forschung der Regierung Kataloniens.

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